Die herkömmliche orthopädische Untersuchung beim Pferd weist, gerade im Rahmen von Kaufuntersuchungen bei Islandpferden, eine geringe Beurteilungssicherheit auf. Ziel der vorliegenden Studie war, eine mögliche Entscheidungshilfe zu entwickeln, um diese Beurteilungssicherheit zu optimieren. Die Annahme, dass es sich bei den dabei oft erfassten Gangabnormalitäten mehrheitlich um nicht schmerzhafte, physiologische, Bewegungsasymmetrien und Gangvariationen handelt, sollte bestätigt werden. Um das Gangmuster und die Bewegungscharakteristik von Islandpferden auf der Kreisbahn im Bereich der Vordergliedmaßen und die diesbezügliche Übereinstimmung der Beurteilung zwischen unterschiedlich erfahrenen Tierärzten und dem objektiven Ganganalysesystem Sleip© zu erfassen, wurden vorberichtlich lahmfreie Islandpferde (n = 64) untersucht. Die Islandpferde (n = 64) wurden im Rahmen von Kaufuntersuchungen unter standardisierten Bedingungen anhand eines vorgeschriebenen Protokolls untersucht. In der Versuchsgruppe (n = 52) wies dabei der größte Anteil der Islandpferde (n = 28) eine „physiologische, erwartbare, nicht schmerzbedingte Bewegungsasymmetrie“ auf der Kreisbahn auf (53,8 %). Sowohl das Alter als auch die reiterliche Nutzung hatten hierbei keinen signifikanten Einfluss auf die Häufigkeit des Auftretens von Bewegungsasymmetrien (p > 0,05). „Fragliche Bewegungsasymmetrien“ (n = 8) traten auf der Kreisbahn überwiegend auf beiden Händen mit symmetrischer Deutlichkeit im Bereich des Hangbeines der äußeren Vordergliedmaße und zusätzlich in der Stützbeinphase der äußeren Vordergliedmaße auf. Islandpferden mit einem „unerwartetem Asymmetriemuster“ mit Betonung einer Vordergliedmaße wiesen zum Großteil eine Lahmheit (n = 10) auf. Islandpferde „ohne deutliche Bewegungsasymmetrie“ (n = 24) waren zu 75 % viergängig (100 % der heterozygote Anlagenträger für das DMRT3-Gen, CA-Genotyp) veranlagt. 2 Islandpferde wurden aufgrund eines Unvermögens den Trab zu präsentieren von der Studie ausgeschlossen. Die Übereinstimmung zwischen den Tierärzten untereinander und Sleip© zeigte die zu erwartenden individuellen Unterschiede hinsichtlich der Zuordnung in eine Gangmustergruppe und Bewegungsasymmetrie- bzw. Lahmheitsgrad. Das Ganganalysesystem Sleip© nahm die Bewegungsasymmetrien bei Islandpferden auf der Kreisbahn deutlich häufiger und in höhergradiger Ausprägung wahr. Die Diagnosestellungen von Sleip© unterschied sich signifikant (p < 0,05) von denen der vier Tierärzte unterschiedlicher Fachkenntnisse. Sowohl Orthopädieerfahrung, als auch Gangpferdeerfahrung (zu einem gewissen Maße bei geringerer Orthopädiefachkenntnis) wirkte sich positiv auf die Sensitivität und Übereinstimmung bezüglich der Lahmheitsbeurteilung und Klassifizierung in eine Gangmustergruppe aus.
Keywords: Islandpferde, Objektive Ganganalyse, Tierärzte, Bewegungsasymmetrie, Kreisbahn
Keywords: horses, chronic recurrent cecal impaction, surgical treatment enlargement cecocolic orifice, long-term survival